FOBS Magazine
Menu

Hinterherbringservice für Idioten

Rembrandt on 21.6.2017

Es ist der undankbarste Job in der gesamten Branche. Er steht bei niemandem auf der Visitenkarte und meistens bekommt man diese Aufgabe ungefragt zugewiesen. Aber es ist ein Job, der viel Zeit kostet. Zeit, die nicht bezahlt wird und die einen viel zu lange von der eigenen Arbeit abhält. Und doch muss jemand diese Funktion ausüben, ansonsten liegt die Baustelle still und das sorgt für noch mehr Probleme. 

Wir reden natürlich über den ‘Hinterherbringservice für Idioten’. Anstelle von ‘Idioten’ haben wir auch schon jede Menge andere Begriffe gehört, aber wir sind ein höfliches Magazin und werden diese hier nicht wiederholen. 

Jeder Zaunbauer hat einen Dummen, der der Notnagel ist, wenn ein Montagetrupp auf einmal nicht weiter kann. Der kann dann - meist mitten am Tag - das Projekt, an dem er gerade arbeitet, in die Ecke schmeißen, um mit einem Pickup eine Rolle Maschendraht oder eine Packung Schrauben zur Baustelle zu fahren, weil die Monteure morgens zu verschlafen waren, um richtig auf ihre Packliste zu schauen.

Och neee, was sagen wir da? Monteure haben doch nie Schuld. Wie dumm von uns. Die Packliste war nicht deutlich genug. Das Material lag nicht da, wo es liegen sollte. Oder der Hersteller hat die Verpackung geändert, wodurch die Packung nicht auffindbar war. Oder der Stapler hat ein komisches Geräusch gemacht, was alle abgelenkt hat. 

Die Ausreden sind immer sehr kreativ, aber die Schuld wird eher selten auf einen Kollegen geschoben. Denn der würde eine Diskussion anfangen - und in einer Diskussion kann man auch verlieren. Mutter Natur hingegen ist ein super Sündenbock, denn in der Morgendämmerung kann man halt nun mal nicht den Unterschied zwischen Grün und Anthrazit erkennen, also ist es doch vollkommen logisch, dass die Matten mit der falschen Farbe auf dem Transporter landen?

Sobald du deinen Chef ein Zimmer weiter fluchen und den Hörer total wütend auf die Gabel schmeißen hörst, weißt du, was die Uhr geschlagen hat. Du wirfst deine eigene Arbeit an die Seite, dafür kannst du dann ja abends nochmal zurück kommen. Und richtig gedacht, da kommt dein Chef auch direkt mit der Aufgabe um die Ecke, schnell mal zehn verzinkte Matten in zwei Meter Höhe zu einer Baustelle, die 100 Kilometer weit entfernt liegt, zu bringen. Du hast doch eh gerade nichts Besseres zu tun, oder?

Ach ja, und ob du dich ein wenig beeilen könntest, denn wenn die Baustelle heute nicht fertig wird, kann die Rechnung nicht verschickt werden und zudem ist die Planung für morgen dann auch dahin. Also rennst du nach unten, schnell den Anhänger hinter den Wagen, um dir dann direkt erstmal das Schienbein an der Deichsel zu stoßen. 

Und natürlich stehen die Zwei-Meter-Matten ganz hinten, also müssen erst noch vierzehn andere Pakete an die Seite gestellt werden. Beim Abzählen der zehn verzinkten Matten verletzt du dir dann auch noch die Hände am rauen Zink, weil du dir das Anziehen von Handschuhen aus Zeitgründen natürlich gespart hast.

Wenn du dann erst mal mit blutigen Händen hinterm Steuer sitzt und auf zwei Reifen quietschend das Gelände verlässt, schaust du in den Rückspiegel und hoffst, dass der Anhänger fest sitzt und dass ein einzigen Spanngurt für zehn Gittermatten ausreicht. Beim hastigen Programmieren des Tomtoms kannst du noch gerade eben einem Baum ausweichen.

Einmal auf der Autobahn senkt sich dein Herzschlag wieder auf ein normales Niveau. Wenn die Matten bis hierher fest auf dem Anhänger geblieben sind, sind sie bestimmt ausreichend gesichert. Die Blutungen an deinen Händen haben mittlerweile auch aufgehört. Das Einzige, was du jetzt noch fürchten musst, ist die Polizei, die nicht damit einverstanden sein wird, dass du mit Anhänger mit 130 Stundenkilometer durch die Gegend jagst. 

Hast du dann endlich die Baustelle erreicht, empfangen die Monteure dich ganz entspannt in der Sonne sitzend. Der eine schläft tief und fest, der andere schaut mit offenem Mund einer hübschen Frau hinterher und macht auch keinerlei Anstalten, um das Material, das du gebracht hast, direkt zügig zu verarbeiten. 

Du kannst die Kollegen nicht mal annörgeln, denn dann helfen sie nicht beim Abladen. Es hätte auch gar keinen Sinn, denn es war ja gar nicht ihre Schuld, also müssen sie daraus auch keine Lehre ziehen.

Auf dem Heimweg überlegst du dir, dass jetzt aber endlich der Zeitpunkt für eine Lohnerhöhung gekommen ist. Aber kommst du fix und fertig zum Büro zurück, war alle Mühe umsonst. Denn die Monteure haben schon angerufen und gesagt, dass sie heute doch nicht fertig werden und dass das nicht ihre Schuld sei. Also ist der Chef jetzt völlig in Rage - kein guter Zeitpunkt, um nach mehr Geld zu fragen.

Also bereitest du dich seelisch auf die nun folgenden Überstunden vor, um das fertig zu bekommen, was du eigentlich mittags hättest machen sollen. Und du fragst dich, wohin du in der kommenden Woche wohl geschickt wirst.

Das Leben eines Mitarbeiters vom Hinterherbringservice-für-Idioten ist wirklich kein Zuckerschlecken.

 

 

Mehr Berichte dieser Art lesen? Wir verschenken für eine beschränkte Zeit digitale Freiabos. Klicken Sie hier um sich für FOBS Magazine zu registrieren!

Zurück