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Zaunbauer fürs Leben

Rembrandt on 29.6.2016

Nur die Tatsache, dass jemand eine Ausbildung zum Zimmermann gemacht hat, bedeutet nicht, dass er den Rest seines Lebens auch als Zimmermann arbeiten wird. Viele wechseln irgendwann in ihrer Laufbahn den Job und werden Messe- oder Küchenbauer oder Möbelschreiner. Oder sie fangen bei einem Bauunternehmer an.

In unserer Zaunbranche ist das anders. Wenn man einmal drin ist, kommt man niemals wieder heraus. Und das ist schon komisch, denn eigentlich ist es nicht mal ein richtiger Beruf. Soll heissen: es ist kein anerkannter Ausbildungsberuf - es gibt in keinem Land Europas eine Ausbildung zum Zaunbauer. 

In Deutschland gab es früher einmal den Beruf des Drahtwarenmachers. Neben dem Ziehen, Richten und Flechten von Stahldraht bekamen die Auszubildenden hier zumindest noch eine Lehrstunde in der Montage von Maschendrahtzäunen. Aber seit 2013 ist dieser Ausbildungsberuf in der viel breiteren Ausbildung zur Allgemeinen Fachkraft für Metalltechnik aufgegangen und der Blick auf Zäune während der Lehrzeit ist kaum noch erkennbar. 

Zaunteam-Gründer Wädi Hübscher erzählte uns, dass er sich in der Schweiz dafür eingesetzt hat, eine Ausbildung zum Zaunbaufachmann ins Leben zu rufen. Aber nach den letzten Berichten liegen auch diese Pläne erst einmal auf Eis, weil es zu wenig Interesse bei den entsprechend verantwortlichen Stellen gibt. 

Und doch gibt es Tausende Kilometer von professionell verbauten Zäunen in Europa. Stellen Sie sich das mal vor! All die Kilometer wurden - gemeinsam mit Hunderttausenden von Toren - von Menschen montiert, die in der Praxis gelernt haben, wie das funktioniert. Nicht von einem Lehrer, nicht aus einem Buch, sondern von Kollegen.

Und oft läuft das nicht allzu sanft ab. Die Montageleiter erklären einem als Neuling nicht mal eben so, wie man eine bestimmte Sache in fünf Minuten erledigen kann. Nein, sie lassen einen erst eine Stunde rumfrickeln und tausend Fehler machen, um dann die Arbeit, mit der man selbst einigermaßen zufrieden war, mit einer gewaltigen Standpauke zu vernichten. Erst danach zeigen sie einem, wie man denselben Job schnell und gut hätte machen können. Auf diese Art lernt man zumindest aus seinen Fehlern, das ist der Grundgedanke dahinter. Dass man denselben Fehler halt nie wieder macht. 

Durch diese harte Schule bekommt man den Job eines Zaunbauers über die Jahre beigebracht. Die meisten Menschen haben überhaupt keine Vorstellung, wie das aussieht: man lernt, wie man kilometerlange Zäune kerzengerade in den Boden kriegt. Nur auf Augenmaß, ohne Nivelliergeräte. Und ohne, dass der Zaun nach kurzer Zeit absackt. Man lernt, meterlange Schiebetore zu montieren und diese auf den Millimeter genau zu justieren. Man lernt die unterschiedlichen Bodenarten kennen, mit all ihren Vor- und Nachteilen. Man lernt, wie man Maschendraht abspannen muss, so dass er nicht nach einem Jahr schlaff runter hängt. Und man lernt noch eine Menge mehr bevor man ein echter Fachmann ist. Aber man bekommt nie ein Diplom, was man sich übers Bett hängen kann. 

Und während dieses gesamten Lehrprozesses ist man der Neuling, also der Trottel, der all die schweren Arbeiten machen muss. Löcher im Lehm graben, Schubkarren voll Beton schieben, die dreimal so schwer wie eigentlich erlaubt sind und wenn man dann vorlaut wird, wird man einfach mal einen acht Meter hohen Ballfangzaun rauf gejagt, ob Höhenangst oder nicht. 

Es ist etwas, was einem liegen muss. Aber es erklärt auch, warum ein Zaunbauer niemals ein Zimmermann wird. Denn wenn man dann einmal - nach vielem Hinfallen und wieder Aufstehen - endlich selbst Teamleiter wird und vom Chef seinen eigenen Montagebus bekommt, dann sagt das mehr als jedes Diplom - egal für was für eine Ausbildung denn auch.

 

 

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